Nachricht Nr.: 97 04.11.2008 FSC Treffen in Südafrika – Holzplantagen sind keine Wälder! Bei der Generalversammlung des FSC diese Woche legen Umweltschützer und Menschenrechtler Protest ein gegen die bisherige Politik des Holzzertifizierers
 Vom dritten bis zum siebten November findet die Generalversammlung des Forest Stewartship Council (FSC) in Südafrika statt. Der FSC ist eine international tätige Organisation, die Hölzer und Holzprodukte nach ökologischen Kriterien zertifiziert – das Siegel wird von Organisationen wie Greenpeace und dem WWF unterstützt. Zur Auftaktveranstaltung lancierten Umweltschutz- und Menschenrechts-NGOs einen offenen Brief mit der Aufforderung an alle FSC-Mitglieder “die problematische Zertifizierung von Mono-Holzplantagen einzustellen.”
Wally Menne von der südafrikanischen Timberwatch Coalition: “der FSC wurde gegründet zur Zertifizierung von Wäldern. Plantagen haben mit Wäldern nichts gemein und haben daher im Zuständigkeitsbereich des FSC nichts verloren. Der FSC sollte sich endlich dazu durchringen die Zertifizierung von Plantagen zu beenden.”
Philip Owen, ein südafrikanischer Aktivist von Geasphere, ergänzt: “Holzplantagen sind ursächlich für das Versiegen knapper Wasservorkommen – die entstehenden knochentrockenen Böden begünstigen verheerende Brände wie kürzlich in Südafrika und in Swasiland. Resultat: Tote und Obdachlose. Diese Plantagen waren FSC-zertifiziert!”
“Durch die Zertifizierung dieser Plantagen stärkt der FSC große Holzverarbeiter aus den eigenen Reihen. Dies schwächt vor allem die kleinen lokalen Gemeinschaften, die für den Erhalt ihres Landes und ihrer Resourcen kämpfen”, sagt Marcelo Calazans von der brasilianischen NGO FASE. “Diesen Plantagen den FSC-Stempel aufzudrücken hat das Siegel total entwertet.”
Nhlanhla Msweli von Geasphere Swasiland kann dies bestätigen. “Auch die Gegend um Piggs Peak in Swasiland wurde von zerstörerischen Feuern heimgesucht. Unsere Erfahrungen mit Holzplantagen sind durchweg negativ. Den Gemeinschaften vor Ort bringen sie nur Unheil und Knechtschaft.” Die Situation stellt sich seiner Meinung nach folgendermaßen dar: “Die Holzplantagen tragen eine Mitschuld an der Armut der lokalen Bevölkerung; die Menschen werden von ihrem Land vertrieben, das ist für sie oft tödlich; durch Dumpinglöhne werden sie ausgebeutet, und auf den Umweltschäden bleiben sie sitzen. Verantwortung wird hier schlicht abgeschoben – moralisch gesehen eine Katastrophe.”
Nathalia Bonilla von Accion Ecologica sagt: “Es ist frustrierend. Obwohl die negativen sozialen und ökologischen Auswirkungen hinreichend belegt sind, sind die FACE/PROFAFOR und Endesa/Botrosa Plantagen immer noch FSC-zertifiziert. Das Zertifizierungsunternehmen GFA beurteilt gerade die Endesa/Botrosa Plantage in Ecuador. Wir befürchten, dass die Berichte der lokalen Gemeinschaften nicht berücksichtigt werden und dass die Firma ihre zerstörerischen Aktivitäten – abgesegnet durch das “grüne” Siegel des FSC – forsetzen kann.”
“Seit vielen Jahren dokumentieren wir die Auswirkungen von monokulturell gefördertem Holz. Wir haben detailierte Studien zu zahlreichen Ländern (Brasilien, Kambodscha, Chile, Ecuador, Indonesien, Uganda, Uruguay, Südafrika, Swasiland, Thailand u.a.). Der FSC hat es allerdings vorgezogen die Beweise zu ignorieren und weiterhin problematischen Plantagen ihr Siegel aufzudrücken”, beklagt Ricardo Carrere vom World Rainforest Movement.
Der offene Brief, der von 3600 Organisationen und Personen unterzeichnet wurde, fordert die FSC-Mitglieder auf, die “den Wunsch mit uns teilen, lokale Gemeinschaften und Natur vor den Schäden durch die sich ausbreitenden Holz-Monokulturen zu schützen, die Stimme auf der bevorstehenden Generalversammlung zu erheben und die Veränderung herbeizuführen, die so dringend benötigt wird.”
Der Brief betont die Dringlichkeit dieser Veränderung: “Entscheidend ist nun, dass die Mitglieder des FSC – speziell die, die mit sozialen und ökologischen Themen befasst sind – sich für eine Seite entscheiden: entweder für business-as-usual oder für Veränderung zu kämpfen; sich für die Rechte großer Holz- und Zellstoffunternehmen einzusetzen oder für die lokaler Gemeinschaften und der Natur; weiterhin Plantagen als “Waldtypen” anzuerkennen oder einzusehen, dass sie mit Wäldern nichts gemein haben; dem schädlichen Missbrauch von Land ein grünes Siegel aufzudrücken, oder sich sozialer und ökologischer Vernichtung entgegenzustellen.”
Quelle: BOS Deutschland
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