Nachricht Nr.: 90 27.10.2008 Umweltschutzorganisationen - EU auf dem Holzweg "Aktionspaket" der EU-Kommission zur Einfuhr von Hölzern erfährt umfassende Kritik
 Zur Bekämpfung des illegalen Holzeinschlages stellte die EU-Kommission vergangenen Freitag ein “Aktionspaket” vor, dass die Holzimporte aus entsprechenden Fällungen stoppen soll. Massive Kritik kam von Seiten der Umweltschutzorganisationen - “Der Entwurf ist nicht geeignet, das Verschwinden der Urwälder aufzuhalten“, zeigt sich Jana Rudnick von Pro Wildlife überzeugt.
Illegaler Holzeinschlag ist in ökologischer, sozialer und volkswirtschaftlicher Hinsicht ein Desaster. Er heizt den Klimawandel an, entzieht indigenen Gemeinschaften den Lebensraum und kostet, wie eine kürzlich von Greenpeace vorgestellte Studie nachwies, nachhaltig arbeitenden Holzbetrieben in Deutschland jährlich jeden zehnten Euro, da diese teurer verkaufen müssen als die illegalen Anbieter.
Zwanzig Prozent aller Holzimporte stammen Schätzungen der EU-Kommission zufolge aus illegalen Fällungen – bei Tropenholz kann man getrost von fünfzig Prozent ausgehen. Speziell waldreiche Länder wie Indonesien mit Ihrem reichhaltigen Beständen an Tropenhölzern wie Teak und Bangkirai sind anfällig für diese Form der Kriminalität. Durch die massive Entwaldung des Inselstaats ist dieser bereits zum drittgrößten CO2-Emittenten weltweit avanciert.
Obwohl diese Problematik natürlich auch der EU seit langem bekannt ist, wurden in Brüssel – wo ja in Klima- und Naturschutzdingen gerne vollmundige Versprechungen gemacht werden – bislang nichts als zahnlose Vereinbarungen auf freiwilliger Basis auf den Weg gebracht. Das 2003 verabschiedete FLEGT-Programm der EU (Forest Law Enforcement, Governance and Trade) sollte die in die Vereinbarung integrierten Partnerländer veranlassen für eine transparente und legale Herkunft des Holzes zu garantieren.
Die Exportländer (Malaysia, Indonesien, Gabun, Ghana, Kamerun und Liberia) sind bislang allerdings lediglich in lockere Gesprächsrunden mit der EU eingetreten; den Kahlschlag an den dortigen Urwäldern hat dies nicht im Mindesten gestoppt. Bis heute können diese Länder auch Hölzer ungeklärter Herkunft ohne Probleme in der EU absetzen – dies gilt auch für Länder wie Brasilien, bei denen man davon ausgehen kann dass bis zu 90% der Hölzer aus illegalem Einschlag stammen.
Auch das neue Paket zieht die verfügbaren Schrauben kaum an; lediglich der Ansatz ändert sich.”Wir machen die Holzhändler direkt dafür verantwortlich, sicherzustellen, dass ihre Ware aus legal bewirtschafteten Wäldern stammt”, erklärte EU-Umweltkomissar Stavros Dimas vergangenen Freitag.
Neben dem Vorhaben, lebende Wälder ab 2020 als offizielle Kohlenstoffspeicher anzuerkennen und beim Handel mit CO2-Emissionsrechten einzurechnen, delegiert die Kommission in ihrem Paket die Schlüssselkompetenz an die EU-Länder – welche Kriterien als Legalitätsnachweis für Hölzer akzeptiert werden, wird zukünftig auf nationaler Ebene entschieden.
Umweltschutzorganisationen befürchten hier nun, dass die Länder mit den lockersten Bestimmungen die Einfallstore für illegal geschlagenes Holz werden. Zudem steht eine Schwemme phantasievoller Zertifikate bevor, die den Holzmarkt intransparenter machen könnten denn je; “Der Handel mit illegalen Hölzern wird so legitimiert und nicht zurückgedrängt” beklagt Martina Wiesmayr von BOS Deutschland. Nun liegt der Ball wieder bei der Bundesregierung, die sich bereits in der Vergangenheit, etwa bei der Ablehnung des noch unter Rot-Grün anvisierten Urwaldschutzgesetzes, nicht gerade als Vorreiter in Sachen Wälderschutz hervorgetan hat.
Quelle: BOS Deutschland
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