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Nachricht Nr.: 85
14.10.2008
Aufruf zur Demonstration gegen Agrosprit
„Agrosprit macht Hunger“ - Nachhilfe für Umweltminister Gabriel

Aufruf zur Demonstration gegen Agrosprit
am 16. Oktober 2008 ab 10 Uhr auf dem Alexanderplatz in Berlin
ATTAC, BDP, BundJugend, FIAN, Inkota Netzwerk e.V., Rettet den Regenwald e.V.

Der 16. Oktober ist Welternährungstag. Das klingt nach Essen für alle. Doch immer mehr Teller bleiben leer. Seit Grundnahrungsmittel wie Getreide und Speiseöle als Agrosprit in Autotanks und Blockheizkraftwerken verbrannt werden, explodieren weltweit die Nahrungsmittelpreise, werden die Vorratslager geplündert und machen sich akute Nahrungsmittelknappheit und Hunger breit.

Unter dem Motto „Agrosprit macht Hunger“ protestieren heute die Organisationen Inkota Netzwerk e.V., Rettet den Regenwald e.V., ATTAC, FIAN, BundJugend und der Bund Deutscher PfadfinderInnen zusammen mit VertreternINNEN der African Youth Coalition Against Hunger mit leeren Kochtöpfen und Großpuppen in Berlin. Die Demo beginnt auf dem Alexanderplatz ab 10 Uhr mit anschließendem Zug zum Umweltministerium in der Alexanderstraße.

Der Agrospritboom ist der Treibsatz für die weltweit sich dramatisch zuspitzende Nahrungskrise. Nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen ist die Zahl der Hungernden allein in 2007 um 75 Millionen angestiegen. Ende 2008 sollen bereits eine Milliarde Menschen hungern, und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht absehbar.

„Die in der EU diskutierten Quoten für Agrarsprit können nur über den Anbau in Monokultur und in Entwicklungsländern erreicht werden." sagt Angelika Schaffrath Rosario von FIAN. "Gerade den ärmsten Menschen wird dadurch die Ernährungsgrundlage entzogen. Nicht nur wegen der Nutzungs-konkurrenz zwischen Nahrungsmitteln und Agrartreibstoffen, sondern auch aufgrund von Land-vertreibungen durch Investoren und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen auf den Plantagen."

„Die Politik setzt weiterhin gnadenlos auf Industrialisierung und Weltmarktorientierung der Landwirtschaft“, erklärt Evelyn Bahn vom Inkota Netzwerk: „Dabei gibt es weder genug freie Land-flächen noch ausreichend Süßwasser auf unserem Planeten, um die Agrospritziele umzusetzen.“

„Der Agrospritboom ist der Gipfel einer völlig verfehlten Agrarpolitik,“ ergänzt Jutta Sundermann von Attac. „Zusammen mit Marktöffnungsforderungen, Exportsubventionen, Lebensmittelspekulation und der Begünstigungen der großen Agrarkonzerne zementiert Agrosprit den Hunger und gibt ländlicher Entwicklung, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, keine Chance.“

„Agrosprit der zweiten Generation wie Biomass to Liquid (BtL) und Wunderpflanzen wie Jatropha werden oft als Lösung gepriesen“, sagt Mo Witzki vom BDP. „Allerdings wird für diese ebenfalls viel Land benötigt, um die Biomasse zu produzieren, und es ist völlig unklar, ob und wann diese Technologien zur Marktreife kommen werden.“

„Der Agrosprit ist ein Regenwaldkiller“, erklärt Guadalupe Rodríguez von Rettet den Regenwald. „Die Urwaldrodung für Agrospritplantagen setzt mehr CO2 frei, als in Hunderten von Jahren von den Pflanzen wieder gebunden werden kann. Umweltminister Sigmar Gabriel hat seine Hausaufgaben nicht gemacht. CO2 einsparen, nicht freisetzen, ist das Ziel.“

Die EU will noch in diesem Herbst über die Marschrichtung ihrer abenteuerlichen Agrosprit-Politik entscheiden. Umweltminister Gabriel gehört zu denen, die sich bislang weigern, die Konsequenzen aus dem Agrospritfiasko zu ziehen. Als Erfüllungsgehilfe der Autolobby drückt er weiterhin falsche Rezepte gegen die Energie- und Klimakrise durch.

Wir fordern eine Verkehrspolitik, die sich an drastischen Einsparungen von Energie und Treibhausgasen orientiert sowie eine sofortige Streichung aller verbindlichen Beimischungsziele und Subventionen von Agrosprit in Deutschland und EU!

Weitere Informationen unter:
Jutta Sundermann, Attac, Telefon 0175-86 66 76 9l
Guadalupe Rodríguez, Rettet den Regenwald, Tel.: 030-51 73 68 79; Mobil: 0176 488 599 72


Quelle: BOS Deutschland

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