Nachricht Nr.: 350 22.07.2010 Protestaktion - Werbung mit Wildtieren Geschmacklose TV - Werbung mit Wildtieren – BOS Deutschland sendet Protestbrief an Dr Pepper Snapple Group
 Wieder einmal muss ein Orang-Utan für einen Lacher im Werbefernsehen herhalten: In einem aktuell im Internet kursierenden Spot öffnet ein Mann - nach einer durchzechten Nacht - blinzelnd die Augen, geweckt durch eine sanfte Berührung. In der Sekunde, in der er realisiert, dass er sich in einem Zoogehege befindet, wird er schon von einem Orang-Utan-Weibchen in Beschlag genommen, das ihm ein Küsschen gibt und einen Klaps auf den Po. So umschlungen, bleibt dem Mann nur ein angewiderter Blick. Hätte er doch mal das alkoholfreie Root Beer von IBC getrunken, so suggeriert die Brauerei, dann wäre ihm dies erspart geblieben. BOS Deutschland protestiert energisch gegen diese entwürdigende Darstellung des Orang-Utans!
"Das ist nicht die Spur niedlich", sagte BOS-Vorstand Maik Schaffer. "Hier wird ein Wildtier zu kommerziellen Zwecken ausgebeutet." Nicht nur, dass hier ein plumper Scherz auf Kosten eines in Gefangenschaft lebenden Tieres gemacht werde, sei unerträglich, so Schaffer weiter. Die sexuelle Konnotation überschreite eindeutig die Grenzen des guten Geschmacks.
BOS Deutschland wendet sich daher mit einem Protestschreiben an die Öffentlichkeit und an die US-amerikanische Dr Pepper Snapple Group als Verantwortliche für diese Grenzübertretung:
Sehr geehrter Mr. Larry Young,
in einem Werbespot für Ihr IBC Root Beer wird ein verkaterter Nachtschwärmer in einem Zoogehege von einem Orang-Utan-Weibchen betatscht und mit eindeutigen sexuellen Gesten umgarnt. Als Unterstützer der weltgrößten Primatenschutzorganisation protestiert BOS Deutschland gegen diese entwürdigende Darstellung eines in Gefangenschaft lebenden Wildtieres.
Wir empfinden es generell als problematisch, dass das Tier nicht in seinem angestammten Lebensraum gezeigt wird, sondern in einem Zoo. Dies suggeriert Normalität - Orang-Utans haben allerdings das Recht, nicht in Gehegen, sondern frei im Regenwald zu leben. Hinzu kommt, dass das Tier, schutzlos und in Gefangenschaft, nicht nur den voyeuristischen Blicken der Zoobesucher, sondern nun auch dem Spott Ihres TV-Publikums ausgeliefert ist. Das Weibchen hier nun noch als sexuellen Akteur dazustellen, ist eine Verkehrung der Tatsachen und ist auch als Scherz inakzeptabel.
Die Ausbeutung des Tieres überspielen Sie, indem Sie das Tier vermenschlichen. Die Vermenschlichung von Orang-Utans in den Medien führt zu einem völlig verzerrten Bild dieser Wildtiere. Die Konsequenzen dieser Bildsprache mögen Ihnen bereits bekannt sein. Die Menschen im Einsatz für unsere indonesische Schwesterorganisation haben schon verfettete, rauchende Orang-Utans in illegaler Gefangenschaft gefunden. Zu einem Leben im Regenwald sind diese Tiere nicht mehr in der Lage. Ihr Werbespot zeigt nun ein Orang-Utan-Weibchen, das einen freien, sexuellen Willen ähnlich einem Menschen hat. Das ist natürlich falsch, zumal der ihm angeborene Wille gebrochen wurde - das Weibchen führt nun, ähnlich einem Zirkustier, für das kommerzielle Interesse Ihrer Brauerei Tricks auf. Durch die Bildsprache Ihres Werbespots tragen Sie zu dieser verzerrten Wahrnehmung der Menschenaffen bei.
Hier schließt auch unser nächster Kritikpunkt an: der sexuelle Subtext Ihrer Werbung. Vielleicht kennen Sie die Bilder von rasierten Orang-Utans, die in Bordellen gefunden wurden. Es sind verstörte, missbrauchte Kreaturen, die teils an AIDS und anderen Geschlechtskrankheiten zugrunde gehen. Ein Scherz, der an diesen sodomistischen Praktiken ansetzt, hat in jedem Fall die Grenzen des guten Geschmacks überschritten.
Unsere Organisation, BOS Deutschland, betreibt Fundraising für eine Reihe von Orang-Utan-Schutz-Projekten in Indonesien. Es handelt sich dabei um Rehabilitationsstationen für verletzte, kranke und verwaiste Tiere und für solche, die Ihren Lebensraum, den Regenwald, verloren haben. Die Flächen dort werden von Konzernen gerodet, um Ölpalmplantagen anzulegen. Bis 2022, so prognostizieren es die Vereinten Nationen, wird der Tieflandregenwald in Borneo verschwunden sein, wenn die Entwicklung so weitergeht. In den Ländern des Westens versuchen wir, ein Bild des Orang-Utans zu vermitteln, das das Tier schützenswert, würdevoll und in seiner ganzen Schönheit zeigt. Mit Ihren Klamaukbildern erschweren Sie diese Anstrengungen.
BOS Deutschland findet es traurig, dass Ihr Unternehmen schutzlose Kreaturen zur Absatzsteigerung Ihres Bieres benutzt. Es gibt Mittel und Wege, Ihr Produkt kreativ zu bewerben, ohne die Würde eines Lebewesens zu verletzen.
Wir fordern Sie auf, diesen Werbespot aus dem Programm zu nehmen und sich gemeinsam mit unserer Organisation für den Natur- und Artenschutz stark zu machen!
Maik Schaffer
Vorstandsmitglied BOS Deutschland
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Hier lesen Sie die englische Originalversion des offenen Briefes an Dr Pepper Snapple Group.
Quelle: BOS-Deutschland
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