Nachricht Nr.: 341 22.06.2010 Orang-Utans: Zeigen, was Sache ist Durch 64 Gesten und Zeichen kommunizieren Orang-Utans - mindestens 25 darunter signalisieren den Wunsch zum Spielen
 "Orang-Utans können sprechen, tun es aber nicht in menschlicher Gegenwart, um nicht arbeiten zu müssen" - so lautet ein indonesisches Sprichwort. Dass sie stattdessen auf ein Repertoire von Gesten und Zeichen zurückgreifen, haben Erica Cartmill und Richard Byrne von der Universität St. Andrews herausgefunden. Wie die Daily Mail berichtete, identifizierten die beiden Forscher in einer Studie im Journal "Animal Cognition" 64 Gesten, von denen sich 40 eindeutigen Intentionen zuordnen lassen. Um die Kommunikation der Menschenaffen zu deuten, haben die Wissenschaftler ein Lexikon angelegt.
Orang-Utans gestikulieren, um sechs verschiedene soziale Ziele zu erreichen, zum Beispiel um Kontakt herzustellen oder Gegenstände zu teilen. Unter den am meisten versendeten Botschaften der Primaten finden sich dabei "Gib mir das", "Geh weg", "Folge mir", und "Hör auf damit". Wischende Bewegungen etwa zeigen, dass ein Tier allein gelassen werden möchte, "Hunger" signalisiert die Bewegung der Hand zum Mund. Jungtieren etwa zeigen Mütter durch ein leichtes Klopfen auf die Hand, dass sie mit etwas aufhören sollen.
Mindestens 25 Gesten gibt es in der Orang-Utan-Sprache, um den Wunsch zum spielen oder zum lausen zu äußern - von einer Rückwärtsrolle über den Purzelbaum bis hin zum Haare ziehen oder einen Biss in die Luft. Witzbolde platzieren Objekte auf ihrem Kopf, spielen mit ihren Gesichtern oder strecken ihre Arme in die Luft. Grimassen schneiden hingegen Orang-Utans kaum. Wird eine Geste vom Gegenüber ignoriert, wiederholt sie der Andere.
Faszinierend: Die Wissenschaftler beobachteten, dass sich auch räumlich getrennt sozialisierte Orang-Utans durch sehr ähnliche Gesten und Signale austauschen. Über neun Monate hinweg beobachteten die Forscher 28 Menschenaffen im Twycross Zoo in Leicestershire, im Durrell Wildlife Conservation Trust auf Jersey und im Apenheul- Primatenpark in den Niederlanden. Über drei Monate dokumentierten sie ihre Untersuchungen durch Videoaufnahmen.
Die Forscher möchten einen Beitrag zu der Debatte leisten, wie sich das Sprach- und Kommunikationsvermögen bei Primaten entwickelte. Bis auf ihren "Long-Call" gelten Orang-Utans als stille, jedoch besonders intelligente Primaten. Wie auch Schimpansen können sie die Zeichensprache lernen. Ein im Zoo in Atlanta in den USA lebendes Tier namens Chantek beherrscht rund 140 Zeichen - die er meist zur Diskussion des Nahrungsangebotes nutzt.
Foto: "Komm mit!" - Kumpels in Nyaru Menteng
Quelle: Daily Mail, Animal Cognition, übersetzt und editiert: Lars Dittmer, BOS Deutschland
|