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Nachricht Nr.: 340
16.06.2010
Indonesien kündigt Rodungsstopp an
Die Palmölindustrie ist sauer, NGOs hören die Botschaft, können sie aber nicht glauben - Indonesien möchte mit norwegischem Geld seine Wälder bewahren

Indonesien kündigt Rodungsstopp an
Auf einem Waldgipfel Ende Mai in Norwegen hat die indonesische Regierung angekündigt, ein zweijähriges Moratorium für die Rodung von Primär- und Torfwäldern zugunsten von Ölpalmenplantagen umzusetzen. Wenigstens zwei Jahre lang sollen also keine Urwälder mehr für Palmölplantagen vernichtet werden! Dieser Entwaldungsstopp wird von norwegischem Geld finanziert - im Zuge der International Climate and Forest Initiative sollen rund eine Milliarde Dollar in Kohlendioxidreduzierung sowie in eine Teil-Verlagerung der indonesischen Palmölproduktion auf degradierte Böden investiert werden. Während die Industrie aufheult und vor einbrechenden Gewinnen warnt, begegnet die NGO-Welt dem Vorhaben mit Zustimmung bis Skepsis.

"Palmölunternehmen, die die Arbeiten unter ihrer Lizenz bis 2011 bereits begonnen haben, dürfen weitermachen", erklärte Agus Purnomo, Leiter der indonesischen Klimawandel-Kommission, dem Jakarta Globe. Firmen, die dies zu diesem Zeitpunkt noch nicht getan hätten, müssten ihre Vorhaben verschieben, würden aber für ihren Aufwand entschädigt. Derweil beschwerte sich die Palmölbranche über unzureichende Informationen von Seiten der Regierung und warnte vor einbrechenden Profiten im Palmöl- und Kohlegeschäft sowie einem verschlechtertem Investitionsklima.

Den Plänen, die Produktion bis 2020 zu verdoppeln (BOS berichtete), stehe das Moratorium jedoch nicht im Weg, erklärte Landwirtschaftsminister S.E. Ir. H. Suswono. So betrüge die Produktivität der bislang 7,3 Millionen Hektar Palmöl in Indonesien lediglich 2,5 Tonnen pro Hektar - in Malaysia läge sie dagegen bei 4 Tonnen. "Bei einer Effizienzsteigerung auf malaysische Werte erreichen wir die erwarteten 40 Millionen Tonnen im Jahr 2020", so Suswono.

Das Moratorium ist Ergebnis großspuriger Klimaschutzankündigungen Indonesiens. Vor wenigen Monaten hatte Präsident Yudhoyono erklärt, die Kohlendioxid-Emissionen seines Landes bis 2020 um 26 Prozent reduzieren zu wollen, gegenüber einem "Business as Usual"-Szenario. Bei ausreichender internationaler Unterstützung stellte er gar bis 41 Prozent in Aussicht. Das norwegische Füllhorn jedenfalls steht: auf dem Klimagipfel 2007 auf Bali versprach das Land erhebliche Zuwendungen zur Bekämpfung der Regenwaldvernichtung in Entwicklungsländern.

Die Gelder sollen über einen Zeitraum von fünf Jahren ausgeschüttet werden. Bis 2011 soll eine indonesische Institution geschaffen werden, die die Projekte koordiniert und die direkt dem Präsidenten untersteht. Das REDD+ - Programm der Vereinten Nationen (REDD = Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) sieht vor, dass auch Vertreter lokaler Gemeinschaften in dem Organ vertreten sein werden. Ein erheblicher Posten soll Entwicklungsprojekten auf lokaler Ebene zu Gute kommen, die Effizienz kleiner Plantagen erhöhen und in eine nachhaltige Infrastruktur investiert werden. Auf nationaler Ebene soll eine strengere Forstgesetzgebung initiiert und durchgesetzt werden. Eine neue Institution überwacht und evaluiert die Maßnahmen.

Die Ankündigung traf auf ein geteiltes Echo bei Umweltschützern. Während Greenpeace das Moratorium als guten ersten Schritt begrüßte, zeigte sich das Internetportal Mongabay.com skeptisch. "Mächtige Institutionen im indonesischen Waldsektor haben wenig Interesse an einer Änderung des Status Quo", heißt es dort. In einem Land, dass so unter Korruption leide wie Indonesien, bestehe nicht nur die Möglichkeit, dass das Geld verschwendet werde - sogar dem Zweck den es eigentlich bekämpfen sollte, könnte es zu Gute kommen: Der Rodung von Wäldern und deren Umwandlung in Palmölplantagen. Zumal es in Indonesien schon oft derartige Ankündigungen gab, die dann doch nicht umgesetzt wurden. Insofern ist auch angesichts dieses an sich absolut begrüßenswerten Abkommens abwartende Skepsis angebracht…

Foto: Hoffnung für den Regenwald? - das Schutzgebiet Hutan Lestari


Quelle: Jakarta Globe, Mongabay.com, Lars Dittmer, BOS Deutschland

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