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Nachricht Nr.: 338
04.06.2010
Grüne fordern Kennzeichnungspflicht für Palmöl
Enthalten Lebensmittelprodukte Palmöl oder -fett, soll dies zukünftig in der Zutatenliste ersichtlich sein.

Grüne fordern Kennzeichnungspflicht für Palmöl
In einem Antrag vom 19. Mai 2010 fordert die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen die Bundesregierung auf, eine Änderung der Lebensmittelkennzeichnungsverordnung auf Bundesebene durchzusetzen. Demnach soll die Art der verwendeten pflanzlichen Fette und Öle in Produkten aufgeführt werden. Obwohl immer mehr Menschen die Verwendung von Palmöl aus ökologischen und sozialen Gesichtspunkten ablehnen, haben sie nicht die Möglichkeit, bewusst auf dieses Öl zu verzichten. Nach dem Willen der Grünen soll sich das ändern. Enthalten Lebensmittelprodukte Palmöl oder -fett, dann soll dies zukünftig in der Zutatenliste ersichtlich sein.

BOS Deutschland fordert bereits seit Jahren eine Kennzeichnungspflicht für Produkte, die Palmöl enthalten.

Palmöl und Palmkernöl ist Bestandteil unzähliger Produkte des täglichen Gebrauchs wie z.B. Waschmittel, Seife, Kosmetika und Lebensmitteln, wird aber auch als Energiequelle in Form von Agrartreibstoff genutzt. Zu den Großabnehmern zählt neben China und Indien auch Deutschland. In Lebensmittelprodukten versteckt sich Palmöl meist als „pflanzliches Fett“. Bis 2020 soll allein die Palmölproduktion in Indonesien auf 40 Millionen Tonnen pro Jahr verdoppelt werden.

Die weltweite Nachfrage nach den Ölpalm-Fetten steige seit Jahren rasant an, begründet die Fraktion ihren Vorstoß. Diese Entwicklung habe dazu geführt, “dass riesige Regenwaldflächen, vor allem in Indonesien und Malaysia, für die Anlage von Ölpalmplantagen gerodet würden – mit verheerenden Folgen für Umwelt, Klima, biologische Vielfalt und die einheimische Bevölkerung“, heißt es im Antrag der Parlamentarier weiter. Mit der Deklarationspflicht haben die Verbraucher die Möglichkeit, bewusst auf Lebensmittel mit Palmöl zu verzichten.

Auch auf europäischer Ebene soll sich die Bundesregierung laut Grünen-Antrag für eine Änderung der Lebensmittel-Kennzeichnungsvorschriften einsetzen.

Desweiteren fordert Bündnis 90/Die Grünen klare, strenge und überprüfbare Umwelt-, Menschenrechts- und Sozialstandards für den Anbau, die Verarbeitung und den Transport, zunächst für Palmöl, letztendlich aber für jegliche importierte Biomasse zu entwickeln.

Die im gleichen Antrag gestellte Forderung, bereits heute ausschließlich nachhaltig produzierte und zertifizierte Palmöle in der Lebensmittel- und Kosmetik- und Reinigungsmittelindustrie einzusetzen, ist jedoch leider illusorisch, da es bisher nur sehr geringe Mengen von „nachhaltig produziertem“ Palmöl auf dem Weltmarkt gibt.

Zudem hat sich der bislang bedeutendste Zertifizierungsstandard des sogenannten Round Table for Sustainable Palm Oil (RSPO) nach Überzeugung zahlreicher einschlägiger Nichtregierungsorganisationen – darunter BOS Deutschland, Greenpeace, Rettet den Regenwald, Robin Wood und Watch Indonesia – bisher als weitgehend wirkungslos erwiesen.




Quelle: Antrag Bündnis 90/ Die Grünen (19.5.2010), Christian Lichtenau, Martina Wiesmayr, BOS Deutschland

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