Nachricht Nr.: 335 21.05.2010 Tag der Artenvielfalt am 22. Mai Als „Tag der Artenvielfalt“ soll der 22. Mai dieses Jahres an die sich ständig verringernde Zahl der Tier- und Pflanzenarten auf unserem Planeten erinnern.
 Bereits 2008 wurde offiziell angegeben, dass die Zahl der Arten auf der Erde zwischen 1970 und 2005 um 27 Prozent gesunken ist. Besonders betroffen waren diesen Erhebungen zufolge Land- und Süßwasserbewohner im asiatisch-pazifischen Raum. Insgesamt schätzt man, dass rund 34.000 Arten vom Aussterben bedroht sind.
Nach der IUCN (Weltnaturschutzunion) galten 2007 bereits rund 12% der Vogelarten, 20% der Säugetiere, 29% der Amphibien und 33% der Nacktsamer unter den Pflanzen als bedroht. Diese vier Gruppen sind zugleich die einzigen, deren Bedrohungsstatus auf der Evaluierung aller oder zumindest der meisten Arten beruht.
Von den übrigen Gruppen (z.B. Fische, Insekten, Bedecktsamer) ist nur ein relativ geringer Prozentsatz weltweit evaluiert worden, sodass über ihren Bedrohungsstatus bisher keine realistische Aussage machbar ist. Sicher bleibt allerdings, dass der Rückgang der Artenvielfalt weiterhin dramatisch voranschreitet.
Anlässlich dieses internationalen Tages der Artenvielfalt fordert BOS Deutschland verstärkte globale Anstrengungen zum Schutz der stark bedrohten Orang-Utans und ihres Lebensraums, des tropischen Regenwaldes.
Die imposanten und äußerst intelligenten Tiere gelten als sogenannte Schirmspezies für den Schutz des tropischen Regenwaldes, da sie als wichtige Samenverbreiter im Ökosystem Wald einen entscheidenden Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.
Die rasante Abholzung tropischer Primärwälder, die massive Ausbreitung von uniformen Ölpalmplantagen, großflächige zerstörerische Waldbrände und der nationale sowie internationale Tierhandel treiben den Rückgang der Verbreitungsgebiete und das Aussterben der letzen Orang-Utan-Populationen weiter voran.
Besonders durch die rasante Ausdehnung der Ölpalmplantagen verlieren immer mehr Orang-Utans ihren Lebensraum und ihre Nahrungsquellen. Nur allzu häufig werden völlig verstörte, fast verhungerte Orang-Utans von Plantagenarbeitern entdeckt, die die Tiere natürlich nur als Fressschädlinge ansehen und sie im günstigsten Fall einem Schutzprojekt melden, aber üblicherweise brutal vertreiben oder sogar töten.
So wurde zum Beispiel die Hand der damals drei Monate alten Kesi aus dem BOS-Patenschaftsprogramm abgetrennt, als Plantagenarbeiter ihre Mutter mit einer Machete töteten. Heute lebt sie in der Rehabilitationsstation Nyaru Menteng und ist eine Musterschülerin in der dortigen Waldschule für Orang-Utans.
In den beiden Rehabilitationsstationen von BOS, Nyaru Menteng und Wanariset-Samboja, werden verwaiste, kranke, misshandelte und beschlagnahmte Tiere aufgenommen und versorgt. Später bereitet man sie dann in einem mehrjährigen Trainingsprogramm auf ihre Auswilderung zurück in die Freiheit vor.
Die größte Schwierigkeit besteht jedoch darin, geeignete Regenwaldgebiete für die Auswilderung zu finden. Denn die UNEP, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, schätzt, dass bis 2022 98 Prozent der Tieflandregenwälder Indonesiens verschwunden sein werden. Rund 2 Millionen Hektar verliert das Land jährlich allein durch illegalen Holzeinschlag, überall auf Borneo werden neue Konzessionen für Ölpalmplantagen vergeben.
Damit wäre innerhalb weniger Jahre bereits der natürliche Lebensraum der Orang-Utans und zahlloser anderer Tier- und Pflanzenarten verschwunden.
Unter anderem durch die weitläufige Verteilung der einzelnen Baumarten entstand in den tropischen Regenwäldern ein einzigartiges Phänomen, das der größten Artenvielfalt weltweit. Nach Schätzungen befinden sich in diesen Regenwäldern 40-60 % aller auf der Erde lebenden Arten. Zum Beispiel bedeckt Indonesien nur 1,3 % der Erdoberfläche, trotzdem leben dort 11% aller Pflanzenarten, 10% der Landtierarten und 16% der Vogelarten. Diesen unermesslichen Schatz der Natur gilt es zu schützen und zu bewahren. Es bleibt uns nicht mehr allzu viel Zeit.
Quelle: Nanai Petra Hoberstorfer, BOS-Deutschland
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