Nachricht Nr.: 333 10.05.2010 Deutsche Diesel fahren auf Regenwald ab Verdient die Bezeichnung "Bio" nicht: für Agrar-Diesel wird Palmöl verwendet, sagt Greenpeace
 Auch deutsche Autofahrer tanken Regenwald: Greenpeace testete über das vergangene Jahr 160 Tankstellen und fand Anteile von Palmöl und Sojaöl im Dieselkraftstoff. Die 2006 beschlossene Beimischungsquote von Biokraftstoffen von rund sieben Prozent sollte ursprünglich die Klima-Emissionen des Straßenverkehrs reduzieren. Die Rohstoffe kommen jedoch zunehmend aus Ländern wie Indonesien und Argentinien, so die Organisation. Und hier wird für den Anbau der Rohstoffe Regenwald gerodet, was gewaltige Mengen des Klimagases freisetzt.
In der bundesdeutschen Dieselmischung findet sich ein Anteil von sechs Prozent Palmöl und elf Prozent Sojaöl bei 83 Prozent Rapsöl und Altfett. Während der Anteil von Agrarrohstoffen aus Entwicklungsländern im Winterdiesel nur rund 5,3 Prozent ausmacht, ist er im Sommerdiesel umso höher: 17 Prozent Sojamethylester und 11 Prozent Palmölethylester stehen hier 63 Prozent Rapsmethylester und 9 Prozent Altfett gegenüber. Grund für die Beimischung der Agrarfette aus dem Süden ist, dass Raps ein teurer und knapper Rohstoff ist.
"Der in Deutschland angebaute Raps würde maximal für eine fünfprozentige Beimischung reichen," sagte Corinna Hölzel von Greenpeace. Das Argument, dass man mit Agrosprit die heimische Wirtschaft schütze, sei daher absurd. Für die rund 250.000 Tonnen Sojaöl und 130.000 Tonnen Palmöl, die Deutschlands Diesel-Fahrzeuge jährlich verfahren, wurden in Entwicklungsländern Plantagenflächen doppelt so groß wie das Saarland entwaldet.
Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie bezeichnet in einer Stellungnahme die Palmölmengen in deutschem Biodiesel als "äußerst gering". 90 Prozent würden aus Rapsöl produziert, wobei gelegentlich ergänzend im Ausland produzierter Biodiesel aus Palmöl verwendet würde. Ab 1. Januar 2011 trete obendrein eine strenge Nachhaltigkeitsverordnung in Kraft, die Palmöl von ehemaligen Regenwaldflächen für die Biodieselproduktion ausschließt. "Wir fordern die Mineralindustrie auf, nachhaltig produzierten Biodiesel zu kaufen und damit erhaltenswerte Ökosysteme wie Regenwälder zu schützen", sagte Elmar Baumann, Geschäftsführer des VDB.
Die Klimabilanz von Agrartreibstoff ist schlechter als die herkömmlichen Kraftstoffs. Die reinen Emissionen aus Agrardiesel sind zwar um bis zu 91 Prozent niedriger – rechnet man aber den Kohlendioxidausstoß mit ein, der aus der Rodung von Wäldern resultiert, um die Plantagen für die Pflanzen anzulegen, ändert sich die Bilanz fundamental.
Palmöl wird fast ausschließlich in Indonesien und Malaysia erzeugt. Beide Länder decken gemeinsam etwa 85 Prozent des Weltbedarfs. Für das Fett, das in immensen Plantagen angebaut wird, werden in Indonesien über eine Million Hektar Regenwald pro Jahr gerodet, oft durch Brandrodungen. Zahlreiche sensible Tierarten wie der Orang-Utan verlieren ihre Heimat, und durch die austretenden Kohlendioxidemissionen ist das Land bereits zum weltweit drittgrößten Klimaverschmutzer geworden. Bis 2020 möchte der Staat seine Produktion verdoppeln.
Quelle: Greenpeace, VDB, Lars Dittmer, BOS-Deutschland
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