Nachricht Nr.: 331 03.05.2010 Palmölindustrie plant offenbar eigenes Zertifikat Es muss auch leichter gehen - da den Palmölkonzernen das Prädikat "nachhaltig" des Runden Tisches für Nachhaltiges Palmöl zu schwierig zu bekommen ist, planen sie offenbar ein eigenes
 In der indonesischen Palmölindustrie gibt es offenbar Bestrebungen, ein eigenes Zertifizierungsorgan für nachhaltiges Palmöl zu gründen. Wie die Nachrichtenagentur Dow Jones berichtet, wenden sich mehrere Produzenten vom "Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl" ( Roundtable for Sustainable Palmoil) ab. Startschuss könnte ein am 3. Mai geplantes Treffen zwischen der Wirtschaft und indonesischen und malaysischen Regierungsvertretern in Kuching, Malaysia, sein. Umweltschützer behaupten, dass der Palmölgigant Sinar Mas besonders sensible Regenwälder vernichtet und Torfmoore trocken legt.
"Die Produzenten möchten eine Win-Win-Situation im RSPO erreichen, bevor sie eine eigene Zertifizierungsinstanz gründen," sagte Mamat Malleh, der Vorstandsvorsitzende der Malaysian Palmoil Association (MPOA), eines Zusammenschlusses malaysischer Produzenten. Sie und andere im Palmölgeschäft tätige Unternehmen beschweren sich, dass die Kriterien des Runden Tisches für eine "nachhaltige" Produktion zu strikt seien und möchten sie lockern – die bereits unter dem Nachhaltigkeitssiegel operierenden Plantagenbesitzer hingegen klagen über sinkende Absätze, da niemand bereit sei, die höheren Preise für das RSPO-zertifizierte Öl zu bezahlen.
In der RSPO-Jahresversammlung im vergangenen November hatten Vertreter der Palmölwirtschaft gedroht, den Runden Tisch zu verlassen, sollte dieser Forderungen von EU und Umweltschutzorganisationen nachkommen, den Ausstoß an Treibhausgasemissionen in den Zertifikationsprozess einzubeziehen. Umweltschutzorganisationen hatten stets dagegen gehalten, dass die Kriterien von der Industrie diktiert und zu locker seien – zumal sie ohnehin nicht eingehalten werden.
So präsentierte Greenpeace gegenüber dem Examiner jüngst Belege über die fortgesetzte Vernichtung sensibler Regenwälder durch Sinar Mas. Zwar hatte der in Indonesien operierende Palmölkonzern in einer Erklärung von Anfang Februar 2009 behauptet, den Kriterien des RSPO nachzukommen und besonders sensible Wälder (High Conservation Value areas), Primärwälder und Torfmoore nicht mehr zu zerstören. Dies wird offenbar nun an Ausgründungen delegiert.
So zerstöre laut Greenpeace die Sinar-Mas-Tochter PT ALM derzeit tiefe Moorgebiete und besonders sensible Wälder in West-Kalimantan. Eine weitere Sinar-Mas-Tochter, PT BAT, rodet Wälder die an Orang-Utan-Habitat in Zentralkalimantan grenzen. "Sinar Mas' Erklärungen sind nichts als Greenwash," sagte Bustar Maitar, Regenwaldexperte von Greenpeace Südostasien. Auch die Kritik an Nestlé, dass Palmöl für die Fabrikation von Schokoriegeln wie Kitkat einsetzt, erhält die Umweltgruppe aufrecht. Zwar kaufe der Konzern nun sein Palmöl nicht mehr direkt von Sinar Mas, bezieht es aber nach wie vor über Zwischenlieferanten wie Cargill.
Quelle: Dow Jones, Examiner.com, Lars Dittmer, BOS-Deutschland
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