Nachricht Nr.: 321 16.04.2010 Indonesien: Plantagen gelten nun doch nicht als Wald Seit das REDD-Programm Konturen annimmt, ringt man in vielen Ländern um die Definition von "Wald". Indonesien hat sich nun von seinem Vorhaben verabschiedet, Ölpalmenplantagen als Wälder zu behandeln
 Das indonesische Forstministerium ist von seinem umstrittenen Plan, Ölpalmenplantagen als Wald zu klassifizieren, abgerückt. Dies berichtete die Jakarta Post am Freitag. "Wir haben die Pläne verworfen, und es gibt keinen weiteren Gesprächsbedarf," sagte der Leiter der Abteilung Forschung und Entwicklung des Ministeriums, Tachrir Fathoni, am Rande eines Forstwirtschaft-Seminars. Lokale Umweltschutzgruppen hatten gewarnt, dass dies den Todesstoß für die ohnehin dezimierten Regenwälder auf Borneo bedeutet hätte. Ob die Proteste lokaler Umweltschutzgruppen Auslöser für diesen Schritt waren, blieb jedoch unklar. Auch in der EU wird eine Entscheidung zu diesem Thema erwartet.
"Eine Neudefinition von Wäldern hätte der Revision des Forstgesetzes von 1999 bedurft," sagte Fathoni. Das indonesische Gesetz definiert Wald als ein integriertes Ökosystem, dass Land mit biologischen Ressourcen umfasst, dominiert von naturbelassenen Bäumen und Umgebung. Die Leiterin des Centers für Sozioökonomie des Ministeriums, Nur Masripatin, bestätigte den neuen Regierungskurs. Allerdings: "Manche Länder machen Plantagen bereits zu Wäldern," sagte sie am Rande des Seminars.
So wendet Malaysia, der zweitgrößte Produzent von Palmöl nach Indonesien, den Standard der Welternährungsorganisation FAO (Food and Agriculture Organization) an, um Wälder zu klassifizieren – Land muss mit einer Baumkronendichte von mehr als 10 Prozent und in der Fläche zu mehr als 0,5 Hektar mit Bäumen mit einer Minimumhöhe von fünf Metern bewachsen sein, um als Wald zu gelten.
Die indonesische Forstbehörde plante einen Gesetzentwurf nach dem UN-Gipfel in Kopenhagen. Eine Gruppe von Aktivisten von Greenpeace Indonesien und dem Indonesischen Umweltforum (Walhi) kritisierte die Regierung für ihre Pläne und beschuldigte sie, ihre Kohlendioxidreduktions-Zusagen nicht Ernst zu nehmen.
Greenpeace Indonesien hisste einen riesigen Banner über dem Gebäude der Behörde, auf dem stand: "Plantagen sind keine Wälder". Sollten Ölpalmenplantagen per definitionem künftig als Wälder gelten, ließen sich die Emissionen, die aus der Zerstörung von Torfmooren und Wäldern resultieren, nicht mehr ermitteln, so die Umweltaktivisten.
Die Gruppe Walhi begrüßte die Entscheidung der Regierung, die Pläne nicht weiter zu verfolgen. "Der nächste Schritt wäre nun, industrielle Baumplantagen von der "Wald-Liste" zu streichen," sagte Teguh Surya, Waldcampaigner bei Walhi. In Indonesien seien diese von Akazien zur Herstellung von Papier dominiert. Des weiteren müssten bereits existierende Ölpalmenplantagen auf ihre Rechtmäßigkeit untersucht werden. "Forstminister Zulkifli Hasan sollte den Mut aufbringen, Palmölkonzernen, die unrechtmäßig produzieren, die Lizenz zu entziehen," so der Umweltschützer.
Das REDD-Programm (Reducing Emissions from Deforestation and Degradation) der Vereinten Nationen sieht vor, dem in Wäldern enthaltenen Kohlendioxid einen finanziellen Wert zuzuweisen, um ihre Rodung wirtschaftlich unattraktiv zu machen. Seit 2006 wird die Initiative in der internationalen Klimadiplomatie diskutiert. Geplant war ursprünglich, den Mechanismus in das Kyoto-Nachfolgeabkommen in Kopenhagen aufzunehmen. Dieses würde allerdings eine Definition von "Wald" erfordern. Um weiterhin Wälder in Ölpalmenplantagen umwandeln zu können, hatte sich Indonesien im Januar 2010 entschieden, diese umzubenennen.
Foto: Wald oder nicht?
Quelle: Jakarta Post, Übersetzung und Editierung: Lars Dittmer, BOS-Deutschland
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