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Nachricht Nr.: 252
30.10.2009
Deutsche Firmen lässt zertifiziertes Palmöl kalt
Hauptsache schön billig: Deutsche Unternehmen scheint es im Europa-Vergleich nicht zu stören, dass für ihr Palmöl der Regenwald abgeholzt wird

Deutsche Firmen lässt zertifiziertes Palmöl kalt
Redaktionelle Anmerkung: BOS Deutschland unterstützt den Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl RSPO NICHT. Basis dafür sind Berichte der Umweltgruppe Greenpeace, die vermeldete, dass die vergangenen November eingetroffene Lieferung zertifizierten Palmöls Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards nicht entspräche. Hinter den Lieferungen steht das RSPO-Mitglied United Plantations, das sich, so Greenpeace, Plantagen in Malaysia zertifizieren lasse, in Indonesien aber entgegen allen selbst gesetzten Standards weiterrode. Der WWF, ebenfalls Mitglied des RSPO, kündigte eine Untersuchung der Vorwürfe an.

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Der WWF hat die Palmölpolitik europäischer Firmen in einer Studie untersucht - mit verheerenden Ergebnissen für deutsche Firmen. Obwohl sich inzwischen auch in der Geschäftswelt herumgesprochen haben dürfte, dass für Palmöl in vielen Regionen Regenwald abgeholzt wird, hätten von 59 untersuchten Unternehmen überhaupt nur zehn das zertifizierte Palmöl des Runden Tisches für Nachhaltiges Palmöl (Roundtable for Sustainable Palmoil, RSPO) gekauft und sich firmeninterne Nachhaltigkeitsverordnungen verordnet. Die untersuchten deutschen Firmen schneiden fast ausnahmslos schlecht ab.

"Diese zehn Unternehmen zeigen bereits, dass ein Umstieg auf nachhaltiges Palmöl machbar ist", sagt WWF Agrarexpertin Martina Fleckenstein. Das System der Studie ist einfach. Auf der sogenannten "Score-Card" des WWF erhalten die Unternehmen Punkte für Teilnahme und Engagement beim Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl und Nachhaltigkeitsregularien in der Firmenpolitik. Ferner wurde untersucht, ob es einen Zeitplan zur Umstellung auf zertifiziertes Palmöl gibt und ob das Unternehmen zur Zeit der Umfrage bereits solches nutzt. Bis zu 29 Punkte sind erreichbar.

Palmöl wird zu einer Reihe von Alltagsprodukten verarbeitet – von Seife über Fertignahrung bis hin zu Margarine. Laut dem WWF ist es in rund der Hälfte aller abgepackten Supermarktprodukte zu finden. Der Anbau erfolgt in endlosen Monoplantagen, die in direkter Flächenkonkurrenz zu den Regenwaldgebieten Südostasiens stehen. Riesige Gebiete einzigartigen Primärwäldes in Indonesien sind bereits in Plantagen umgewandelt worden, die hier ansässigen Arten – Orang-Utans, Elefanten, Nebelparder – verlieren ihren Lebensraum. Durch die Entwaldung ist Indonesien mittlerweile nach China und den USA zum drittgrößte Kohlendioxid-Emittenten der Welt geworden.

Deutschland schneidet kläglich ab

"Es geht nicht darum, den Einsatz von Palmöl grundsätzlich zu verurteilen, da viele Länder auf die Produktion angewiesen sind," sagt Martina Fleckenstein. "Die Herstellung muss jedoch nachhaltig erfolgen und die Händler in Europa haben die Macht und die Verantwortung, das zu beeinflussen." Ein Großteil der in der Studie untersuchten Unternehmen – 34 von 59 – erzielt von 29 Punkten zehn oder weniger. Gerade das Interesse unter den untersuchten deutschen Firmen ist verschwindend. Unter den zehn "Topscorern" befinden sich das britische Einzelhandelsunternehmen Sainsbury's auf Platz eins. Offenbar macht auch britisch-niederländische Konzern Unilever mit ausbaubaren 24,5 Punkten Fortschritte. Auch der französische Kosmetik-Hersteller L'Oreal sowie der Schweizer Einzelhändler COOP werden hier für ihre Bemühungen ausgezeichnet.

Als einziges deutsches Unternehmen positioniert sich Konsumgüterhersteller Henkel mit 19 Punkten im "besseren" Mittelfeld. Das Unternehmen kauft zum Teil von dem zertifizierten Palmöl ein – seit 2008 sind mehr als eine Millionen Tonnen auf dem europäischen Markt. Auch wurden bei Henkel Nachhaltigkeitsverordnungen erlassen und der Einkauf weiteren zertifizierten Öls ist geplant. Katastrophal schneiden REWE und Edeka ab. Bei letzterem Unternehmen hat man einige Lippenbekenntnisse in die Firmenpolitik eingeflochten, REWE (Penny, Bolle, Comet) plant offenbar eine schrittweise Umstellung. Aldi, Metro (Real, Kaufhof) und die niederländische Gruppe Spar lässt der Zirkus um die Regenwaldabholzung offenbar komplett kalt – weder ist eine Umstellung auf zertifiziertes Palmöl geplant, noch wird auf die Problematik des Plantagenanbaus in irgendeiner Form eingegangen.

Die vollständige Studie des WWF finden Sie hier

Redaktionelle Anmerkung: BOS Deutschland unterstützt den Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl RSPO NICHT. Basis dafür sind Berichte der Umweltgruppe Greenpeace, die vermeldete, dass die vergangenen November eingetroffene Lieferung zertifizierten Palmöls Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards nicht entspräche. Hinter den Lieferungen steht das RSPO-Mitglied United Plantations, das sich, so Greenpeace, Plantagen in Malaysia zertifizieren lasse, in Indonesien aber entgegen allen selbst gesetzten Standards weiterrode. Der WWF, ebenfalls Mitglied des RSPO, kündigte eine Untersuchung der Vorwürfe an.

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Quelle: Lars Dittmer, Wir Klimaretter.de, BOS-Deutschland

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