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Nachricht Nr.: 236
08.10.2009
Orang-Utan Weibchen – Bei der Fortpflanzung wählerisch
Entgegen bisheriger Meinungen scheinen weibliche Orang-Utans auf indirekte Art und Weise doch zu bestimmen, von welchen Männchen sie Nachwuchs bekommen.

Orang-Utan Weibchen – Bei der Fortpflanzung wählerisch
Weiblichen Orang-Utans wies die Wissenschaft bei der Fortpflanzung stets eine fast ausschließlich passive Rolle zu – die Männchen bestimmten hier, so hieß es. Tatsächlich aber haben die Weibchen ein sehr subtiles Instrumentarium der Partnerauswahl entwickelt, heißt es in einer aktuellen Studie der britischen Royal Society für Naturwissenschaften.

Kurz vor dem Eisprung suchen sich Weibchen stets dominante Männchen – die mit imposanten Backenwülsten ausgestattet sind – und meiden untergeordnete Jungtiere. In Zeiten, in denen die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis gering ist, willigen sie zu Paarungen mit allen Männchen ein. Dies hat dementsprechend zur Folge, dass dominante Männchen, obwohl sie sich nicht häufiger paaren als rangniedrigere Männchen, stets mehr Nachkommen haben.

Bisher wurde vermutet, dass dieses Verhalten aus den immensen körperlichen Unterschieden zwischen Männchen und Weibchen resultiert – Erstere sind nahezu doppelt so schwer. Dies hat zur Folge, dass die körperlich unterlegenen Weibchen bei einem Angebot zu einer Ablehnung kaum in der Lage sind. Orang-Utan-Weibchen sind für gewöhnlich äußerst fürsorgliche Muttertiere und versuchen instinktiv, ihre Kinder bestmöglich auf ein Überleben im Regenwald vorzubereiten – insofern ist ihnen sicherlich daran gelegen, ihren Jungtieren auch die stärksten Gene mitzugeben.

Primatenforscher sind der Meinung, dass die Weibchen Sex auch zum Schutz der Jungtiere vor der Gewalt fremder Männchen einsetzen – besonders in Zeiten, in denen eine Gruppe instabil ist, zum Beispiel nach der Übernahme durch ein neues Alpha-Männchen, wird dieses Verhalten beobachtet. In diesen Zeiten fordern schwangere Weibchen die neuen Oberhäupter aktiv zur Paarung auf und erzeugen so Verwirrung über die Vaterschaft der Kinder. Es wird vermutet, dass Männchen Jung-Orang-Utans, die sie als ihre eigenen betrachten, eher beschützen oder sie zumindest unbehelligt lassen.

Die Forschungsergebnisse stammen von einer Studie in Borneo, in der wild lebende Orang-Utans beobachtet wurden und Urinproben getestet wurden um die Hormonspiegel der Tiere zu untersuchen.


Quelle: BOS-Deutschland

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