JETZT SPENDEN

Nachricht Nr.: 229
30.09.2009
EU "Bio"-Diesel - die Vernichtung dahinter
Eine Studie der Friends of the Earth Niederlande untersucht die verheerenden Folgen der europäischen Agrosprit-Politik

EU
Eine kürzlich von der Umweltorganisation Friends of the Earth vorgestellte Studie weist erstmalig auf das Ausmaß der Zerstörung hin, das die Europäische Union durch den steigenden Einsatz von Biotreibstoffen verursacht. Untersucht wird in dem Papier die Situation im indonesischen Bezirk Ketapang. Hier wurden in den vergangenen Jahren immense Flächen in Plantagen umgewandelt, um die steigende Nachfrage nach Palmöl, der Hauptzutat von Biotreibstoff, zu bedienen. Die Zerstörung natürlicher Habitate, Korruption und Schattenwirtschaft sowie soziale Konflikte in der Region sind die Folge. Die Studie entstand im Zuge der Ankündigung der Weltbank vor wenigen Wochen, Palmölprojekte in der Region finanziell nicht mehr zu unterstützen.

Das Augenmerk der Forscher richtete sich dabei in erster Linie darauf, inwiefern sich in Ketapang, einem großen Bezirk in West-Kalimantan, eine gestiegene Nachfrage nach Palmöl für Energie in einer Ausweitung entsprechender Plantagen auswirkt. Ebenfalls untersucht wurde dabei, ob beim Anbau Nachhaltigkeitskriterien angelegt wurden, die Korruption, legale und illegale Rodungen sowie Klimaemissionen und soziale Konflikte eindämmen. Schlussfolgerungen des Berichts waren:

- in den vergangenen drei Jahren vergab die Regierung von Ketapang an Palmölunternehmer Konzessionen, die eine Bebauung von 40 Prozent der Fläche des Bezirks ermöglichten. Gesetze, die den Schutz lokaler Wälder sowie Umwelt und einheimische Gemeinschaften schützen sollen, wurden dabei regelmäßig umgangen.

- 39 der 54 Konzessionen überschneiden sich mit den 400 000 Hektar geschützten Waldes in dem Bezirk – auch ein Nationalpark mit Orang-Utan-Habitat ist betroffen. Fast anderthalb Millionen Hektar in Ketapang sind nun für Palmölplantagen konzessioniert.

- 43% des verteilten Landes ist nun in der Hand von Firmen, die Mitglied des Runden Tisches für Nachhaltiges Palmöl (Roundtable for Sustainable Palmoil - RSPO) sind – die Verstöße werden von Mitgliedern und Nichtmitgliedern begangen.

- die Rechte lokaler Gemeinschaften wurden meist ignoriert. Ende 2008 wurden zwanzig Landkonflikte gemeldet, eine Zahl, die fast proportional zur Ausweitung der Plantagen steigen wird.

Geert Ritsema, Globalisierungs- und Umweltaktivist bei Friends of the Earth Niederlande, sagte: “Die steigende Nachfrage nach Palmöl zieht illegalen Holzeinschlag und soziale Konflikte unmittelbar nach sich. Wenn es so weitergeht, werden die Regenwälder in Borneo schon bald verschwunden sein – und alles Leben, dass sie ernähren, mit ihnen. Nicht nur für das Weltklima ist das eine Katastrophe.”

BOS Deutschland schließt sich der Forderung von Friends of the Earth an die Europäische Union an, ab sofort kein Palmöl mehr für die Energieerzeugung zu importieren. Ritsema weiter: “Biodiesel ist keine Antwort auf den Klimawandel. Anstatt Rohstoffe aus aller Welt einzuführen, die in ihren Heimatländern immense Probleme in sozialer wie ökologischer Hinsicht bereiten, sollte die EU lieber ihrer Verantwortung zuhause gerecht werden, in energiesparende Fahrzeuge investieren und die umweltfreundlichen öffentlichen Verkehrsmittel ausbauen.”

Quelle: Friends of the Earth NL, Übersetzung: Lars Dittmer, BOS-Deutschland

Zurück zur Nachrichtenübersicht