Nachricht Nr.: 222 09.09.2009 46 Orang-Utans kehren zurück in die Freiheit Eine Gruppe von 46 Orang-Utans aus der Station Nyaru Menteng wurde Ende August auf sicherem Gebiet freigelassen.
 Die Borneo Orang Utan Survival Foundation (BOSF) hat erfolgreich 46 Orang-Utans zurück in die Wildnis gebracht. Die wildlebenden Orang-Utans waren zum Zeitpunkt ihrer Rettung halb verhungert, verletzt,krank oder in Gefangenschaft. In der Auffang- und Rehabilitationsstation Nyaru Menteng der BOS Foundation wurden die Tiere gepflegt und nach einer ausreichenden Vorbereitungszeit nun an einem entlegenen Ort in den Wäldern Borneos frei gelassen. Hier ist die Bedrohung durch Jäger und Palmölindustrie noch nicht unmittelbar.
Experten schätzen, dass es etwa noch 35 000 Orang-Utans in den Regenwäldern Borneos gibt, sie alle in steter Gefahr durch illegalen Waldeinschlag, Brände und Jäger Leben oder Heimat zu verlieren – die größte Bedrohung heute ist allerdings die Zerstörung des Wald für Ölpalmplantagen.
Palmöl findet in einer ganzen Reihe von Produkten Verwendung: Nahrungsmittel aller Art, Seifen, Kosmetik, Maschinenöle und seit kurzem wird es auch als alternativer Treibstoff eingesetzt. Die gestiegene Nachfrage nach “Bio-Sprit” führte zu einer weitflächigen Expansion von Ölpalmplantagen in Borneo – der Lebensraum tausender Orang-Utans wurde plattgestampft oder bis auf den letzten Grashalm verbrannt.
Die meisten Orang-Utans, die ihren Lebensraum verlieren, sterben an Unterernährung oder werden auf Nahrungssuche in Plantagen oder in Dörfern getötet oder gefangen. Manche von ihnen haben aber auch Glück und gelangen in die Obhut der Nyaru Menteng Auffang- und Rehabilitationsstation. Hier werden sie von der fürsorglichen Belegschaft der Station versorgt und gepflegt, bis sie für eine Rückkehr in die Wildnis bereit sind.
Nyaru Menteng ist das größte Primatenauffangprojekt der Welt. Im Jahr 1999 von der Dänin Lone Dröscher-Nielsen gegründet, hat die Station bis heute mehr als tausend Orang-Utans gerettet. Etwa 600 von ihnen waren Waisen, deren Mütter getötet wurden - entweder von Wilderern, die die Babys auf dem illegalen Tiermarkt verkaufen, oder im Zuge der Vernichtung ihres Lebensraums für die Errichtung von Plantagen. Bis die Tiere alles Nötige gelernt haben, um alleine im Urwald zurecht zu kommen, verbleiben sie auf der Station – ein Prozess, der zehn bis zwölf Jahre dauern kann.
Die 46 Tiere, die gerade in den Regenwald zurückgebracht worden sind, haben jedoch nicht den Rehabilitationsprozess durchwandert, sondern waren zum Zeitpunkt ihrer Aufnahme bereits ausgewachsene, unabhängige Orang-Utans. Sie waren zeitweise in Nyaru Menteng untergebracht worden, um vollständig zu genesen – als die Tiere aus Sicht des medizinischen Teams der Station fit genug waren, beschloss man, ihre Rückkehr in den Regenwald in die Wege zu leiten.
Im Jahr 2007 wurde ein großes Areal fast unberührten Regenwaldes in der Gegend von Ober-Barito, im Herzen Borneos, als für Orang-Utan-Auswilderungen geeignet befunden. Die Einschätzung beruhte auf der Auswertung von Satellitenbildern, Hubschrauber-Überflügen und Bodenproben. Es gibt hier tausende Hektar von ursprünglichen Tieflandregenwäldern die sich durch üppige grüne Täler ziehen und Berghänge säumen. An Flussufern finden sich hier unzählige fremdartig-bunte Tier- und Pflanzenarten ein.
Die Bodenbefunde ergaben, dass es hier für Orang-Utans eine sehr gute Nahrungssituation gibt – dennoch kann das Gebiet nur einen kleinen Bestand tragen. Gründe dafür liegen einmal in der Geschichte der Gegend; hier lebten und jagten früher indigene Stämme von Jägern und Sammlern, zudem fungieren die breiten Flüsse und die Bergketten als natürliche Barrieren gegen die Verbreitung der hier ansässigen Arten. In den Jahren 2007 und 2008 wurden in der Gegend einundsechzig Orang-Utans frei gelassen; im Jahr 2009 wurden weitere 20 000 Hektar in einer Reihe von verbundenen Tälern als mögliches Areal für Auswilderungen und Umsiedelungen entdeckt.
Die erste Stufe des Auswilderungvorhabens begann in Nyaru Mentung, wo unter den geretteten ausgewachsenen oder fast ausgewachsenen Orang-Utans die ausgewählt wurden, die eigenständig genug für ein Leben im Regenwald sind. Anschließend führte man gründliche Gesundheitschecks durch, um sicherzustellen, dass sich keine Krankheiten in der neuen Population ausbreiten. Unter den Menschenaffen waren fünfzehn ausgewachsene Männchen, elf ausgewachsene Weibchen, sieben halbwüchsige Männchen, zwölf halbwüchsige Weibchen und ein Muttertier mit ihrem weiblichen Baby.
Die Gruppe wurde dann zu einem Übergangscamp in der Nähe des Ortes der kommenden Freilassung gebracht – die Aktion konnte beginnen. Ein BOS-Ärzteteam begleitete die Vorgänge durchgehend, um eventuellen Reisestressauswirkungen bei den Tieren vorzubeugen und sicherzustellen, dass sie in gutem gesundheitlichem Zustand am Ort des Geschehens ankommen würden. Die Orang-Utans wurden betäubt und in Individualkäfigen zu der Freilassungsstelle gebracht – sechs oder sieben Tiere wurden pro Flug in einiger Höhe mit einem stabilen Tau von dem Helikopter getragen. Hier wurden die Käfige von einem Bodenteam erwartet und geöffnet. Sechs unterschiedliche Plätze, in Abständen von etwa 2 Kilometern, wurden ausgewählt, um die Wälder durch die Einwanderung der Tiere nicht über Gebühr zu belasten.
Das Feld-Team war im Camp des Barito Ulu-Forschungsprojektes stationiert, etwa eine Stunde von der ersten Freilassungsstelle entfernt. Um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten, hielten die Mitarbeiter hier stets den Kontakt zu dem Team aus dem Übergangscamp über Satellitentelefon und HF Radio aufrecht. Die Aktion dauerte achtzehn Tage, von denen die Freilassungen selbst einen Zeitraum von 6 Tagen zwischen dem 17. und dem 22. August in Anspruch nahmen. Unmittelbar nach den Freilassungen fuhr ein Nyaru-Menteng-Sozialisationsteam die umliegenden Dörfer ab um bei den Einheimischen ein Bewusstsein für die Orang-Utans und die Freilassungsaktion zu wecken. Zudem wurden die Dorfbewohner gebeten, sich mit Fragen oder Erfahrungsberichten stets an die Mitarbeiter von Nyaru Menteng zu wenden. Ein Überwachungsteam, das bereits frühere Freilassungen begleitet hat, ist bereits vor Ort, um Untersuchungen über die Beschaffenheit der Gegend und den Gesundheitszustand der Tiere anzustellen.
Wir freuen uns sehr, dass wieder einmal eine Gruppe von Orang-Utans den Weg zurück in die Freiheit gefunden hat und wünschen ihnen ein glückliches und sicheres Leben in ihrer neuen Heimat!
Quelle: BOS-Deutschland
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