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Nachricht Nr.: 105
01.12.2008
UNO sondiert Kyoto-Nachfolger in Poznań - die Uhr tickt
Trotz Finanzkrise plädieren Klimaexperten und Umweltschutzorganisationen für einschneidende Maßnahmen

UNO sondiert Kyoto-Nachfolger in Poznań - die Uhr tickt
Überschattet von der Finanzkrise nehmen heute Delegierte aus über 190 Staaten im polnischen Poznań die Verhandlungen für ein Kyoto-Nachfolgeprotokoll auf, das ab 2012 in Kraft treten soll. Die “Road-Map”, der Zeitplan zum Nachfolgeabkommen, war auf der Klimaschutzkonferenz von Bali im Herbst 2007 beschlossen worden.

Trotz der sich eintrübenden Stimmung in der Wirtschaft mahnen Klimapolitiker und Nichtregierungs-organisationen, die Bemühungen um eine umfassende CO2-Reduzierung nicht abzuschwächen. So sagte Achim Steiner, Direktor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, im Deutschlandradio: “Man kann die Finanzkrise nicht auf Kosten der Klimakrise lösen.”

Der Zeitplan für das Klimaabkommen ist eng gestrickt. Schon nächstes Jahr soll “Kyoto II” auf internationaler Ebene verabschiedet werden, worauf sich ein dreijähriger Ratifizierungszeitraum in den Ländern anschließt. Die Vorschläge zur Ausgestaltung des Abkommens gehen gegenwärtig noch stark auseinander.

Derzeit hofft alles auf den neuen US-Präsidenten Barrack Obama, der zwar lediglich eine Beobachtergruppe nach Poznań entsandt hat (da seine Amtszeit erst im Januar beginnt), aber bereits in einer kürzlich veröffentlichten Video-Botschaft eine Richtungsänderung der USA in der Klimapolitik ankündigte. Ein substanzieller Beitrag der USA zu einem Kyoto-Nachfolger – Obama deutete eine Reduzierung der Emissionen um 17% bis 2020 an – könnte dem Abkommen den entscheidenden Impuls geben.

Oben auf der Agenda der Konferenz findet sich die Bereitstellung von Klimatechnologie und Mitteln der Industriestaaten an ärmere und Schwellenländer. Endlich sollen auch Probleme wie die massive Entwaldung in Ländern wie Indonesien und Brasilien breiteren Raum finden, und Ländern die auf Devisen aus der Vernichtung von Wäldern angewiesen sind, sollen Anreize gesetzt werden, diese wichtigen CO2-Speicher zu erhalten. Achim Steiner zeigt sich hier zuversichtlich: “Ich glaube, hier werden wir sicherlich in Poznań ein positives Signal sehen.”

Mögliche positive Signale können allerdings nicht davon ablenken, dass die Erderwärmung in voller Fahrt ist – das politische Geschehen hinkt der Klimarealität weit hinterher. Jüngste Einschätzungen von Wissenschaftlern gehen von einer seit dem Jahr 2000 galoppierenden Erwärmung aus und verwerfen ältere Studien als zu optimistisch. Viele europäische Länder werden ihre Kyoto-Ziele nicht einmal annähernd erreichen; auch aufgrund neuer ökonomischer Tiger wie China und Indien steigen die CO2-Emissionen geradezu ungebremst. Davon abgesehen gibt es auch in der deutschen Politik Bestrebungen, die Bemühungen zum Klimaschutz angesichts der Finanzkrise aufzuweichen.

Eine Neugestaltung der Weltwirtschaft nach ökologischen Prinzipien, wie sie beispielsweise Ottmar Edenhofer, der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung anstrebt, wird auf der Konferenz mit einiger Sicherheit nicht prioritär behandelt werden – auch festgezurrte Ergebnisse sind nicht zu erwarten. Wahrscheinlicher ist da ein Pokern um Verschmutzungsrechte, Zertifikate und Ausnahmen, wie auch Umweltminister Sigmar Gabriel der AFP gegenüber äußert: “Ich befürchte, dass in Posen vor allem Mikado gespielt wird. Wer sich als erster bewegt, hat schon verloren.”


Quelle: BOS Deutschland

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