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Nachricht Nr.: 100
12.11.2008
Die Zerstörung der letzten Regenwälder
Palmöl in Indonesien - Über die Hintergründe der Ausweitung der Ölpalmenplantagen auf Borneo

Die Zerstörung der letzten Regenwälder
Die Ausweitung der Ölpalmenplantagen in Kalimantan und Sumatra stellt heutzutage die schlimmste Bedrohung für die Orang-Utans dar.

Tatsächlich bringt die Abholzung der Wälder und die Schaffung immer neuer Ölpalmenplantagen nicht nur die Orang-Utans an den Rand der Ausrottung, beides trägt durch die Unmengen an freigesetztem CO2 auch maßgeblich zum Klimawandel bei, bringt Wasserkreisläufe aus dem Gleichgewicht und verursacht die Verunreinigung des Wassers mit Pestiziden und Düngemitteln.

Zusätzlich zu Klimaveränderungen und untrinkbar verschmutztem Wasser haben Ölpalmenplantagen auf das Leben der einheimischen Bevölkerung eine Vielzahl von negativen Auswirkungen; so stehen Palmölkonzerne häufig im Fadenkreuz bei Konflikten um Landrechte oder bei Demonstrationen gegen sozial unverträgliche Praktiken.

Obwohl sich viele Menschen dieser Tatsachen bewusst und eigentlich gegen die Herstellung von Agrartreibstoffen aus Palmöl und die Expansion der Plantagen sind, geht die Vernichtung der Regenwälder immer weiter.

Vielleicht kann man die Folgen der Entwaldung nur dann wirklich ermessen, wenn man sie mit eigenen Augen gesehen hat. Umso mehr, wenn man eine Orang-Utan-Rettungsaktion miterlebt hat oder aufgrund des Qualms der brennenden Wälder und Torfböden selbst Atemnot und brennende Augen bekam.

Wenn wir das zerstörerische Palmöl in knusprigen Chips oder leckerer Schokolade verzehren oder unsere Hände mit wunderbar duftender Seife waschen, sind wir uns nur sehr selten über die negativen Folgen unserer Handlungen bewusst. Als Verbraucher fühlen wir diese schlimmen Auswirkungen nicht und wir können uns nicht vorstellen, wie unser Verhalten die Natur und das Leben der Menschen auf der anderen Seite des Planeten beeinflusst. Als Folge unserer Unwissenheit geht das Geschäft mit dem vernichtenden Palmöl weiter und der Markt boomt.

Unilever ist bei einem Verbrauch von 1,3 Megatonnen pro Jahr einer der größten Abnehmer von Palmöl weltweit. Die Speiseeismarke mit dem herzförmigen Emblem, zahlreiche Seifen und Waschmittel wie Dove, Sunsilk, Omo und Lebensmittelmarken wie Knorr, Blue Band, Becel, Best Foods, Ben & Jerry’s oder Findus sind nur einige der vielen Unternehmen, die Unilever gehören.

Palmölhaltige Produkte zu umgehen ist nahezu unmöglich, jedoch können wir als Konsumenten unser Möglichstes dafür tun. Tatsächlich entschieden sich zahlreiche Verbraucher bereits gegen den Kauf palmölhaltiger Produkte, so dass Unilever sich gezwungen sah, darauf zu reagieren und eine Verbesserung der Situation versprach.
Man wollte sicherstellen, dass das verwendete Palmöl „nachhaltig produziert“ sei. Doch wo soll denn all das nachhaltig produzierte Palmöl herkommen? Da die weltweite Nachfrage nach Palmöl extrem hoch ist, kann diese unmöglich nur mit nachhaltig produziertem Palmöl befriedigt werden, da es einfach nicht genug davon gibt.

Aufgrund des begrenzten Angebotes an zertifiziertem, nachhaltig produziertem Palmöl muss Unilever auf Palmöl der konventionell produzierenden Unternehmen zurückgreifen; eines dieser Unternehmen ist Wilmar, einer der größten Palmölkonzerne der Welt, über den mindestens ein Viertel der globalen Palmölproduktion umgeschlagen wird. Neben Unilever sind auch Nestle und Cargill unter den Kunden von Wilmar.

Wir essen das Palmöl nicht nur, waschen unsere Hände und unsere Körper damit, treiben unsere Autos damit an und verbrauchen Strom, der mit Palmöl produziert wurde, sondern unsere Ersparnisse auf der Bank werden häufig ebenfalls in die Zerstörung unseres Planeten investiert. Geldgeber des Unilever-Zulieferers Wilmar sind Rabobank, ABM Amro, Standard Chartered Bank, Citibank, der IWF der Weltbank, OCBC Bank, Fortis und ING Bank.

Wilmar International wurde von Martua Sitorus gegründet, einem Indonesier chinesischer Herkunft aus Medan und Kuok, Besitzer der PBB Oil, Teil des malaysischen Kuok Konzerns. Kürzlich fusionierte der malaysische Kuok Konzern mit der amerikanischen Archer Daniels Midland, ADM, um einen erweiterten Wilmar Konzern zu bilden.

Corporate Accountability International ( Gesellschaft für die Übernahme unternehmerischer Verantwortung) nannte ADM eines der schlimmsten Unternehmen und reservierte ihnen einen Platz in ihrer „Hall of Shame“, der Galerie der Schändlichkeiten.

Genauso wie Unilever viele Marken in sich vereint, von denen man denken könnte, sie seien unabhängige dezentrale Betriebe, betreibt Wilmar International Plantagen unter verschiedenen Firmennamen und kauft zusätzlich Palmöl von Unternehmen, die Familienmitgliedern gehören, wie dem indonesischen Ganda Konzern. Wilmar unterhält Plantagen in Sumatra, Kalimantan, Malaysia und Uganda. Allein in Indonesien umfasst das Gebiet der Wilmar-Plantagen ungefähr 800 000 Hektar mit der Option auf eine Erweiterung der Fläche auf eine Million Hektar, ein Areal so groß wie Süd-Korea. Zwei Drittel dieses Gebietes sind noch nicht mit Palmen bepflanzt, sondern müssen noch abgeholzt werden.

Vergangenes Jahr wurde von Milieudefensie (Friends oft he Earth, Niederlande), Lembaga Gemawan (indonesische Vereinigung für soziale Entwicklung) und Kontak Rakyat Borneo (bürgerliche Gesellschaftsorganisation auf Borneo) eine Studie veröffentlicht, die bewies, dass Wilmar für die Schaffung von Plantagen in Kalimantan Flächen abgeholzt und brandgerodet hatte; es wurden auch Landrechte verletzt. Waldgebiete, in denen vorher bekanntermaßen Orang-Utans lebten, wurden illegal abgeholzt. Plantagen wurden ohne offizielle Genehmigung und Environment Impact Assessment (Umweltverträglichkeitsprüfung) angelegt.
Wilmar International reagierte auf den immensen Druck der NGOs und räumte im Februar 2008 ein, dass die eigenen Richtlinien für den Aufbau neuer Plantagen nicht eingehalten wurden.

Jetzt, da das Unternehmen Plantagen in Zentral-Kalimantan, Borneo, schaffen will, drohen der Region großflächige Waldvernichtung und Brandrodung. Durch die Fusion von PBB Oil und Wilmar International hat der Konzern inzwischen sechzehn Niederlassungen allein in Zentral-Kalimantan. Der Großteil der geplanten 250 000 Hektar Plantagenfläche ist bisher noch nicht erschlossen. Weitere 250 000 Hektar in Zentral-Kalimantan sind für die Plantagen anderer Unternehmen vorgesehen; insgesamt wurden für eine Million Hektar Nutzungskonzessionen vergeben.

Es sollte kein Wald mehr für Plantagen abgeholzt werden – man kann nur hoffen, dass diese Empfehlung als Ergebnis des Strategie- und Maßnahmenplans zur nationalen Erhaltung der Orang-Utans, dem „Strategy and Action Plan for National Conservation of Orangutans“, ausgesprochen wird.
„Um die Orang-Utans zu schützen müssen wir den Wald schützen“, sagte der indonesische Präsident im Dezember 2007. Das ist sicherlich richtig, aber die Realisierung sieht nicht sehr überzeugend aus. Als billigste uns schnellste Methode der Landgewinnnung für Plantagen bedienen sich die Firmen immer noch der Abholzung und der Brandrodung von Torfwäldern.

Wenn wir als Borneo Orangutan Survival Foundation in die Zukunft blicken, sehen wir einen Alptraum unbarmherzig auf uns zukommen. Wälder werden brennen, Orang-Utans werden fliehen und vor Hunger sterben.
Borneo ist ein Hotspot einheimischen Artenreichtums, man findet dort Tiere, die die meisten Menschen noch nie in ihrem Leben gesehen haben oder auch die Rohsteoffe für die Naturmedizin der Dayak (Ureinwohner Borneos); es ist aber auch ein Hotspot für Zerstörung, Leiden und Tod.

Erheben Sie Ihre Stimme. Als Verbraucher bestimmen wir den Markt. Unser Konsum bringt den Konzernen Profite durch Regenwaldzerstörung.

Machen Sie sich Ihr Konsumverhalten bewusst und äußern Sie Ihre Bedenken, indem Sie an Firmen schreiben. Helfen Sie uns, das zu retten, was noch übrig ist! BOS und andere Organisationen brauchen Ihre Unterstützung um die Vernichtung der Regenwälder zu bekämpfen. Machen Sie die Aussage von Präsident Yudhoyono wahr, der sagte: „Jetzt dürfen all diese Initiativen neue Hoffnung auf Erfolg schöpfen, sogar für ein Ende der Abholzung.“








Quelle: Rita Sastrawan/BOS International

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