Die Geschichte
Samboja ist ein Flächendorf mit etwa 10.000 Einwohnern. Er liegt an der Ostküste Borneos, etwa 35 Kilometer nördlich von Balikpapan, der Provinzhauptstadt Ost-Kalimantans. Entstanden ist es vor 100 Jahren, als Ölvorkommen in dieser Region entdeckt wurden. Zu dieser Zeit war das Gebiet noch mit dichtem Wald bedeckt.
Die erste maschinelle Holzgewinnung Indonesiens fand in den 1950er Jahren nahe Samboja statt – seither nahm der illegale Holzeinschlag rasant zu und die Menschen erschlossen zunehmend landwirtschaftliche Flächen Die Wälder verschwanden, und die Landschaft wurde zu einem Flickenteppich aus sich regenerierenden Sekundär-wäldern und unfruchtbaren Feldern. In den Jahren 1982/83 und 1997/98 richteten schwerwiegende Brände, hervorgerufen durch das El Nino-Phänomen in Ostkalimantan, schlimme Verwüstungen an. Das durch die Abholzung veränderte Mikroklima hatte eine rasche Ausbreitung der Feuer zur Folge. Seitdem führen jedes Jahr katastrophale Dürreperioden zu großflächigen Bränden.
Als Resultat entstanden große Flächen von Alang-Alang (Imperata cylindrica), einem Gras, das ohne Nutzen für die lokale Bevölkerung ist. Es verhindert durch sein st arkes Wachstum und die Ausscheidung giftiger Wurzelabsonderungen das Nachwachsen von Bäumen und somit die Regeneration der Wälder. Hinzu kommt seine leichte Entflammbarkeit: häufig fallen die wenigen Pflanzen, die sich gegen das Gras zur Wehr setzen konnten, den zunehmenden Feuern zum Opfer. Die durch die Brände mineralisierten Nährstoffe werden dann in der Regenzeit durch den in den Tropen typischen Starkregen oberflächlich fortgespült - Zurück bleibt ein immer unfruchtbarer werdender Boden.
2001 begann die BOS Foundation, die Landnutzungsrechte für das Gebiet Samboja Lestari zu erwerben. Ziel des ehrgeizigen Pilotprojektes: eine ökologische Wüste, in der nur noch Alang-Alang-Gras wuchs, wieder aufzuforsten und in ein artenreiches Biotop zu verwandeln. |
Aufforstung
Der Kern des Samboja Lestari - Projektes ist die Landrehabilitierung, also der Versuch, den ursprünglichen Zustand dieses Gebietes bis zu einem gewissen Grad wieder herzustellen. Bis Mitte 2006 wurden hier bereits mehr als 740 verschiedene Baumarten gepflanzt und weitere sollen folgen. Hinzu kommt die spezielle Sammlung einheimischer Arten im Arboretum.
Die aktuelle „Soll- Liste“ beinhaltet 1.716 ausgewählte Baumarten, und jede Woche werden es mehr.
Diese Pflanzenvielfalt fördert auch die Rückkehr der Tiere: schon jetzt leben in Samboja Lestari Hunderte von Tierarten, darunter neun Primatenarten. Dies ist wirklich beachtlich für ein Projekt, das gewissermaßen aus dem Nichts entstanden ist.
Baumschule
Der Aufforstungsprozess beginnt in der Baumschule. Hier werden Früchte, Samen und Setzlinge ausgewählt und gesammelt, und die Erde als Nährboden aufbereitet. Zudem werden hier Maßnahmen zur Schädlings- und Krankheitsbekämpfung erprobt und Techniken für die vegetative Vermehrung von Pflanzen erforscht.
Die Pflanzungen
Das Samboja-Lestari-Programm konzentriert sich auf Fruchtbaum-Arten, um den Nahrungsbedürfnissen der Orang-Utans gerecht zu werden. Viele der Bäume zog man aus Samen , die aus den Exkrementen freilebender Orang-Utans extrahiert worden waren. Darüber hinaus werden viele weitere Bäume gepflanzt , um ein Höchstmaß an Biodiversität zu erreichen.
Die Rehabilitation des Gebietes beginnt mit der Pflanzung von schattenspendenden Bäumen - schnellwachsende Pionierarten besiedeln normalerweise als erstes offene Flächen. Diese Bäume helfen dabei, das Alang-Alang-Gras schrittweise durch Ausschattung zu reduzieren. Denn denn sobald sich die Kronenschicht über dem lichtliebenden Gras schließt, verschlechtern sich die Wachstumsbedingungen. Mit dem Wachsen der Pionierbäume wird auch die Erosion eingedämmt und die Wasserdurchlässigkeit des Bodens verbessert. Dadurch werden Überschwemmungen verhindert und die Flüsse und Bäche sind auch in Trockenzeiten gefüllt.
Klimax-Arten, die normalerweise nur im fortgeschrittenen Stadium des Waldes wachsen, werden etwa ein Jahr nach den Pionierarten gepflanzt. Die Bedingungen sind nun ideal. Mit Hilfe der anspruchslosen Pionierbäume wird ein geeignetes Mikroklima mit leichtem Schatten und besserer Luft- und Bodenfeuchtigkeit geschaffen. Besonders in dieser Phase müssen die Pflanzen intensiv gepflegt werden: Jäten, Hacken, Düngen, Mulchen, Ausdünnen und Gehölzschnitte gehören zum Programm.
Arboretum
Eine Fläche von 159 Hektar im Zentrum von Samboja Lestari ist für das Arboretum reserviert, einem großen wissenschaftlichen Baumgarten, doppelt so groß wie der botanische Garten in Bogor/Java . Hier sollen 5.000 indigene Baumarten und deren Unterarten, die meisten aus Borneo, gepflanzt werden; hinzu kommen viele weitere kleinere krautartige Pflanzen. Der Grund für die Entwicklung dieses botanischen Gartens ist es, eine Sammlung einheimischer Baumarten zu schaffen, um Forschungsarbeit zu erleichtern: insbesondere das Blühverhalten (Phänologie), sowie Wachstum und Entwicklung sollen untersucht werden. Zudem werden Programme zur Umwelterziehung für die lokale Bevölkerung, Schulklassen und Studentengruppen geschaffen. Im Kukar Botanical Garden (benannt nach dem Distrikt, in dem Samboja Lestari liegt) werden auch die Bäume bewahrt, die in über 20 Jahren Forstwissenschaft in Ostkalimantan gesammelt wurden. Manche dieser Arten sind nur noch in Samboja Lestari vorhanden und in der Wildnis schon ausgestorben.
Waldforschung
Teile Samboja Lestaris sind der Forstwissenschaft vorbehalten. Geforscht wird in den Bereichen Hydrologie, Meteorologie und in der Pflanzenphysiologie, sowie im Bereich des „Species Site-Matching“, der Entwicklung eines Standortklassifikationssystems (welche Baumkonstellation passt zu welchem Standort).
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Überreste eines Baumriesen in einer Teakpflanzung

Die Baumschule von Samboja Lestari

Cempedak-Früchte - ein Leckerbissen für Orang-Utans

Auch Gäste können sich am Pflanzen der Bäume beteiligen |
Das Orang-Utan-Rehabilitationsprogramm
Die ehemalige Rehabilitationsstation Wanariset ist im Jahr 2006 in das Gebiet Samboja Lestari umgezogen. Hier wurden eine Waldschule und ein Waldkindergarten für die Orang-Utans eingerichtet. Dies sind Areale in Sekundärwäldern, die natürliche Spielplätze bieten. Hier können die Orang-Utans Fertigkeiten erlernen, die sie in der Wildnis benötigen. Die Tiere können hier tagsüber unter Aufsicht der Pfleger_innen frei herumklettern, die Nächte verbringen sie in Schlafkäfigen. Der Umzug der ehemaligen Station Wanariset nach Samboja Lestari hat den Vorteil, dass die Tiere nun nicht mehr mit dem Auto in die Waldschule gebracht werden müssen. In der Station Wanariset-Samboja leben derzeit etwa 200 Orang-Utans. Die meisten sollen nach erfolgreicher Rehabilitation in natürliche Regenwaldgebiete ausgewildert werden.
Zufluchtsstätte für Orang-Utans
BOS möchte in Samboja Lestari einen sicheren Zufluchtsort mit reichlich natürlicher Nahrung schaffen – nicht nur für Orang-Utans, sondern auch für andere Arten. Das Gebiet wird zukünftig vor allem Orang-Utans eine dauerhafte Zufluchtstätte bieten, die nicht mehr ausgewildert werden können wie z.B. behinderte oder chronisch kranke Tiere.
Es wurden bereits sechs Orang-Utan-Inseln eingerichtet, die eine Fläche von 6,5 Hektar umfassen. Fütterungsplattformen und Spielmöglichkeiten ermöglichen den kranken Tieren ein lebenswertes Dasein . Zurzeit beheimaten die Inseln eine kleine Anzahl Hepatitis-B-kranker Orang-Utans. Weitere Inseln sind in Planung, die in künstlichen Seen angelegt werden sollen. |
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Der kleine Dodo auf dem Klinikgelände

Die ersten Orang-Utan-Inseln im Bau |
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Zufluchtsstätte für Malaienbären
Neben den Orang-Utan-Inseln existiert in Samboja Lestari ein 58 Hektar großes Gehege für Malaienbären. Es ist von einem Zaun eingegrenzt und in sich mehrfach unterteilt, um verschiedene Bären-Gruppen unterzubringen. Die Malaienbären haben ihr eigenes Pflegepersonal, die das Verhalten, die Ernährungsgewohnheiten und die „Enrichment“-Bedürfnisse beobachtet. Als „Enrichment“ wird die Bereitstellung von Beschäftigungsmöglichkeiten bezeichnet. Dies ist nötig, da viele Aktivitäten der Tiere in der freien Wildbahn, wie die Futter- und Wassersuche oder die Verteidigung des Territoriums, wegfallen. Die entstehende Langeweile kann zu Aggressionen und Verhaltens störungen führen. Dem kann z. B. durch das Verstecken von Nahrung oder dem Bau von Spielplätzen entgegengewirkt werden. In Samboja Lestari leben derzeit etwa 50 Malaienbären. |
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Malaienbär im Gehege |
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Einbeziehung der Bevölkerung
Das Samboja-Lestari-Programm wirkt durch eine Vielzahl von Aktivitäten maßgeblich an der Entwicklung des lokalen Gemeinwesens mit. Die Menschen erhalten in dem Projekt Arbeitsplätze und können unter Anderem an der Wiederaufforstung teilnehmen.
Die lokale Bevölkerung kann zwischen den gepflanzten Bäumen Landwirtschaft (Agroforestry) betreiben, und verkauft dafür einen Teil der Ernte für die Orang-Utans an BOS; Dies hat den Vorteil, dass durch die Bewirtschaftung das Alang-Alang-Gras ferngehalten wird und die Bäume ungehindert wachsen können.
BOS unterstützt auch viele soziale Aktivitäten der lokalen Bevölkerung wie etwa Schul programme, Sportveranstaltungen oder Baumpflanzungen außerhalb Samboja Lestaris. Im stetigen Dialog kommuniziert BOS die Notwendigkeit von Naturschutz. |
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Das Agroforestry-Prinzip: Ananas hält das Alang-Alanggras zwischen den gepflanzten Bäumen fern
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